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17.12.2021
Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase

„Es sind die kleinen Dinge, die Freude machen“

Die Wände und Zimmer sind hell, die Gänge liebevoll mit Bildern und Pflanzen gestaltet. Eine Patientin strickt gerade eine Mütze für ihre Tochter. Eine Pflegerin bespricht mit ihrer Kollegin die wichtigsten Dinge, die für den Spätdienst zu berücksichtigen sind. Die Atmosphäre auf der Station ist ruhig, freundlich und wohnlich. Das Albert Schweitzer Hospiz der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz versucht durch eine ganzheitliche Betreuung sowie menschliche Zuwendung, die Lebensqualität für Sterbende und ihre Angehörigen zu steigern und ihnen ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

Wir treffen Frau P., eine Frau, die vor zwei Jahren ihre Diagnose erhalten hat und seither im Albert Schweitzer Hospiz betreut wird. Zuerst im Tageshospiz, nun im stationären Hospiz. „Mein Leben ist geprägt von einer wunderschönen Jugend und einer sehr aktiven Berufs- und Familiensituation. Mit 65 Jahren bin ich dann in Pension gegangen und wollte für meine Enkelkinder da sein. Das kann ich nun nicht mehr. Aber ich sehe mein Leben als gelebt und erfüllt. Nun lebe ich das, was ich in meinem aktiven Leben vergessen habe: Ruhe, Zeit und Stille“, erzählt Frau P. über ihr bisheriges Leben vor und nach ihrer Diagnose. „Was mir Schwierigkeiten bereitet ist die Endlichkeit, nicht die Kürze, sondern die Länge der Endlichkeit“, gibt Frau P. Einblick in ihre Gefühlswelt.

Auch Petra Valda, Stationsleiterin im Albert Schweitzer Hospiz, erzählt uns, dass Menschen sehr unterschiedlich mit ihrer Diagnose umgehen. „Patient*innen wissen sehr gut über ihre Diagnose und den Krankheitsverlauf Bescheid. Der Umgang mit der Situation ist aber sehr individuell. Manche Patient*innen reden sehr offen und viel darüber und andere sprechen wenig.“

Hospiz Mitarbeiterin hält die Hand einer Patientin

Der Tagesablauf im Hospiz gestaltet sich sehr individuell. Auch Frau P. beschreibt die Betretung durch die Mitarbeiter*innen, aber auch die verschiedensten Therapieangebote als sehr persönlich: „Man geht hier individuell auf meine Bedürfnisse ein.“ In ihrer Situation gibt es viele Unterstützungsangebote, die Frau P. im Moment in Anspruch nimmt: „Mir wird die Möglichkeit geboten mit Ärzten zu sprechen und verschiedenen Therapien in Anspruch zu nehmen wie Logopädie, Physiotherapie, Massagen, Musiktherapie und vor allem Gesprächstherapie. Für mich persönlich ganz wichtig waren die Angebote im Bereich der Logopädie, die mich auf Schluckstörungen, Probleme beim Husten oder auch mit anderen Hilfestellungen auf den Alltag vorbereitet hat. Hier entstand ein ganz besonderes Vertrauensverhältnis mit der Logotherapeutin. Und so ist es auch mit dem gesamten Pflegepersonal und den Pflegeschüler*innen, die besonders liebevoll auf mich eingehen.“

Als „besondere Momente“ und eine ganz „besondere und emotionale Art der Pflege und Betreuung“ beschreiben auch die Mitarbeiter*innen ihre Arbeit im Albert Schweitzer Hospiz. Patient*innen haben oft ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Für den einen ist es wichtig, dass er nochmal ins Freie gehen und möglichst viele liebe Menschen treffen kann. Für den anderen ist aber einfach nur die Ruhe und Schlaf ein Bedürfnis. „Die Berücksichtigung dieser vielfältigen und individuellen Bedürfnisse und diese auch zu verstehen und zu akzeptieren, ist das Besondere an dieser Form der Begleitung“, erzählt Petra Valda, über die tägliche Arbeit in Albert im Schweitzer Hospiz.

Hospiz Mitarbeiterin mit einer Patientin im Rollstuhl

Um Patient*innen zu unterstützen, wird auf verschiedenste Therapiemöglichkeiten, zurückgegriffen. Je nachdem von welcher Therapieart die/der Patient*in am meisten profitiert, werden beispielsweise Massagen, Logopädie, Ergotherapie, Aromatherapie aber auch Gesprächstherapien angeboten. „Ganz gerne angenommen wird auch die Musiktherapie. Hier geht oft ganz sehr viel Emotion und Herz auf. “, so Petra Valda.

Es sind oftmals die kleinen Dinge, die Patient*innen im Hospiz in ihrer Situation erfreuen. So erzählt Frau P., dass Freude für sie in ganz einfachen Momenten entsteht: „Große Freude kann ich nicht empfinden, es sind die Kleinigkeiten an denen ich mich erfreue, die man im hektischen Leben gar keine Beachtung schenken würde. Beispielsweise blühende Gänseblümchen, der Sonnenstrahl der sanften Wintersonne, ein Besuch meiner Tochter oder ein Stück selbstgebackener Kärntner Reindling, den mir ein Pflegeassistent am Nachmittag bringt.“

Ganz wichtig ist es Frau P. dass sie Menschen dazu ermutigt bereits in jungen Jahren festzuhalten, wie man bei einer plötzlich auftretenden Krankheit oder im Alter gepflegt werden möchte. „So weiß die Familie Bescheid, was jemand möchte und welche Dinge jemanden guttun. Ich kann für mich sagen, dass ich die beste Möglichkeit für mich mit dem Hospiz gefunden habe. Ich bin gut betreut und liebevoll aufgehoben, aber kann doch auch im Familienverband sein.“

Aber nicht nur diese Kleinigkeiten, sondern auch die Unterstützung ihrer Angehörigen helfen Frau P. in ihrer Situation: „Meine Kinder haben meinen Entschluss ins Hospiz zu gehen akzeptiert und geben mir somit ein Freiheitsgefühl und meine Brüder stehen mir mit Rat und Tat zur Seite. Einer meiner Brüder hilft mir mit seiner Lebenserfahrung, denn er hat selbst seine krebskranke Frau gepflegt und mein anderer Bruder ist gibt mir Stütze im Glauben.“

Auch die Begleitung der Angehörigen sieht Frau Petra Valda als sehr wichtige Aufgabe. Denn diese befinden sich auch in einer Ausnahmesituation und benötigen genauso Unterstützung wie die Patient*innen.  „Angehörige wissen, dass sie diesen Menschen verlieren werden. So haben viele gute, aber auch schlechte Phasen. Das wichtigste ist es, hier gut hinzuschauen und die Angehörigen in diesen Phasen dann auch aufzufangen.“

So gehen die Mitarbeiter*innen des Albert Schweitzer Hospizes offen mit den Themen Sterben, Tod und Trauer um und beziehen Betroffene sowie auch Angehörige und in die Betreuung ein. Doch wie geht es Mitarbeiter*innen, die schon viele Menschen bis zum Ende begleitet haben? Petra Valda erzählt wie sich Ihr Verhältnis zum Tod durch Ihre Arbeit verändert hat. „Wenn ich so nachdenke, habe ich keine Angst davor, aber ich weiß natürlich nicht, was ist, wenn ich mich in der Situation befinde. Ich weiß, dass es einen Ort gibt, an dem man eine gute und individuelle Begleitung erfährt und wo die Symptome gut gelindert werden können. Dahingehend hat sich meine Angst vielleicht ein bisschen verändert. Aber es gibt immer wieder Begegnungen, in denen ich die Traurigkeit spüre, die mich sehr berührt und tief ins Herz gehen. Und ich denke, dass das auch menschlich und gut so ist. Aber wir haben auch sehr viele schöne Begegnungen mit Angehörigen nach dem Tod hinaus und es ist einfach die Erinnerung, die dann weiterlebt. Und dafür bin ich sehr dankbar.“

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