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13.03.2019
Vom Altbau zur Exzellenz-Einrichtung: Eine gedankliche Zeitreise mit einer Mitarbeiterin in Ruhestand

Auszug aus einem Interview mit einer Kollegin, die im Ruhestand ist. Frau Renhart arbeitete von 1980 bis 2019 in der Geriatrischen Gesundheitszentren der Stadt Graz als Pflegeassistentin in der Memory Klinik.

 

 Geschäftsführer Hartinger: Wie würden Sie ihre Anfangszeit in den GGZ beschreiben?

Durchwachsen. Ich fing 1977 als Stationsgehilfin auf der „2. Männerstation“ an und hatte zu meinen Anfangszeiten noch keine professionelle Ausbildung, musste aber sofort mit den Patienten arbeiten. Aber das mit der Ausbildung wurde früher nicht so genau genommen, denn da waren Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen im Betreuungspersonal vertreten. Erst später mit der Ausbildungsverordnung wurde alles, sagen wir, professioneller. Um einen kleinen Einblick in die Abläufe von früher zu erlangen: Unsere Hauptaufgaben als Stationsgehilfen waren Pflegen, Betreuen und Zimmer putzen. Wohlgemerkt ohne Handschuhe oder anderer Schutzkleidung. Wir hatten z.B. immer dann das Zimmer zu reinigen, wenn Waschtag war und der war damals nur alle sechs Wochen bis zwei Monate geplant. Und während diese gewaschen wurden, mussten wir, die hohen Ölwände wieder sauberreiben, den Boden wischen und die Betten frisch beziehen. Dazu kam, dass das Haus sehr alt und sanierungsbedürftig war. Auf meiner Station gab es beispielsweise für das ganze Personal nur ein WC, welches eigentlich nur für Herren gedacht war. Die Damen mussten daher auf das WC in den 3. Stock gehen. Die 48 Patienten mussten sich zwei WCs teilen. Bei den Zimmern gab es auch nur Acht-, Sieben- oder Vierbettzimmer. Das wäre heutzutage ja unvorstellbar. In solche Situationen musste man sich damals eben erst „einarbeiten“ wenn man neu anfing, aber etwas Ähnliches wie eine Mitarbeitereinführung war damals noch ein Fremdwort. Es läuft ja alles viel strukturierter und organisierter ab in den jetzigen Einrichtungen.

Pflegedienstleitung Haas-Wippel: Was hat Sie damals unter solchen Umständen dazu bewegt weiterzumachen mit diesem Beruf?

Der Gedanke zu kündigen kam mir offen gesagt des Öfteren. Aber genau in diesen Situationen wo mir alles zu Kopf stieg, kam von den Patienten so viel Gutes zurück. Die Patienten waren einfach immer so dankbar für unsere Hilfe und unsere Arbeit. Ich würde es schon fast mit einem Helfer-Syndrom beschreiben. Es gab mir einfach immer ein gutes Gefühl zu wissen, dass ich tagtäglich hilfsbedürftigen Menschen unter die Arme greifen kann und diese mir dann im Gegenzug ein Lächeln oder eine andere Kleinigkeit zurückgeben. Und später als die Fortbildungen anfingen, kam sowieso ein positiver Umschwung und auch die Arbeitsstrukturen wurden um einiges verbessert.

Leitung Marketing Scheucher: Wenn Sie heute zurückdenken, was waren die schönen Momente?

Es wird viel gemacht und es entsteht dadurch auch viel Neues. Die Beziehungen zu den Vorgesetzten ist beispielsweise im Gegensatz zu Früher eine viel Angenehmere geworden. Früher war es ähnlich wie beim Bundesheer. Man nahm Befehle entgegen und führte die Aufgaben aus. Man traute sich nicht zurückreden, weil man auf seinen Beruf angewiesen war. Auf eine kollegiale Umgangsform sollte deshalb auf jeden Fall Rücksicht genommen und diese auch wertgeschätzt werden. So macht die gemeinsame Arbeit gleich viel mehr Freude.

Geschäftsführer Hartinger: Hier kommt mir die Zufriedenheit der MitarbeiterInnen in den Sinn - Wie sehen Sie das im Vergleich: früher und heute?

Vieles was heutzutage als selbstverständlich wahrgenommen wird, war vor ein paar Jahren noch unvorstellbar. Damit ich beispielsweise in Teilzeit aufgrund meines Kindes gehen konnte, mussten sich meine Vorgesetzte und ich einen wahren Spießrutenlauf mit dem Personalamt abliefern. Es ging sogar so weit, dass wir eine Unterschriftenliste aller Mitarbeiter erbringen mussten, um aufzuzeigen, dass es für jeden in Ordnung war und so keine Streitereien entstanden. In späterer Folge gingen ja dann immer mehr Personen zu den Vorgesetzten und fingen an gewisse Dinge einzufordern. Man merkte einfach wie das starre, hierarchische System immer mehr auflockerte, vor allem als die Führungsfunktionen wechselten. Die Strukturen in den GGZ wie sie heute existieren sind für mich vor 20 Jahren noch unvorstellbar gewesen. Man sollte einfach das große Angebot an Mitarbeiterförderungen und –angeboten wertschätzen und dem Engagement aller in den GGZ arbeitenden Personen mit Respekt entgegentreten. Ich denke mir einfach immer: Nichts ist selbstverständlich.

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