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07.11.2018
Musik ist ein Schlüssel zum Ich

Grazer Musiktherapeutin arbeitet seit Jahren mit Senioren in der Geriatrie, im Hospiz oder in der Wachkomastation. „Viele werden offener, kontaktfreudiger und fröhlicher“, sagt sie.

„Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder …“ Kurz nachdem Sara Papst das traditionelle Theater- und Kinderlied angestimmt hat, singt die versammelte Runde mit. Einige Frauen noch schüchtern, andere mit lauter, selbstbewusster Stimme. Musiktherapiesitzung in den Grazer Geriatrischen Gesundheitszentren: Die erste und einzige Musiktherapeutin der Stadt Graz greift zur Gitarre, aber auch zu Klanginstrumenten wie zur Schlitztrommel Hapi Drum, zum Xylofon oder zum Monochord, das über einen länglichen Resonanzkörper verfügt. „Musik hat eine heilende Wirkung aus emotionaler, aber auch aus körperlicher Sicht“, sagt Sara Papst.

Seit genau vier Jahren arbeitet die ausgebildete Musiktherapeutin mit betagten und kranken Menschen. „Es ist eine sehr schöne  Tätigkeit, weil Musik in der Regel schnell wirkt und man rasch und auf emotionale Weise etwas zurückbekommt“, berichtet die 37-jährige Grazerin. Die Mienen der Senioren würden sich aufhellen,Männer wie Frauen „werden offener, kontaktfreudiger und fröhlicher“. Ihre Klientel gehört der 70-plus-Generation an. „In den 1940er- und 1950er- Jahren haben diese Leute viel gesungen, was später aber verschüttgegangen ist“, berichtet Sara Papst. Jetzt, in den Geriatrischen Gesundheitszentren, werden die über Jahrzehnte verkümmerten Talente wiederentdeckt.

Sehr beliebt seien unter anderem Volks- undWanderlieder, aber auch alte Schellack-Songs wie etwa „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ oder amerikanische Schlagermelodien wie „Tennessee Waltz“ von Patti Page aus dem Jahr 1950. Vereinzelt würden auch Lieder aus der NS-Zeit vorgeschlagen, die von Sara Papst aber nicht gesungen werden. „Auch wenn viele an Demenz leiden, haben sie Lieder aus ihrer Jugendzeit im Langzeitgedächtnis gespeichert“, sagt Papst. Die Grazer Musiktherapeutin arbeitet auch in der Hospizabteilung beziehungsweise mitWachkomapatienten. „Es ist berührend zu sehen,wieman über die Musik zu den Menschen vordringen kann.“ Denn: „Das Gehör ist bei diesen Menschen meist noch gut ausgebildet“, berichtet die 37-Jährige, die sich über jede nonverbale Regung des Körpers freut.

Musik könne beruhigen, aber auch beleben, aktivieren und entspannen, weiters auch Gefühle der Zusammengehörigkeit und der Geborgenheit wecken. Individuell gestaltete Klangräume könnten dabei helfen, die Urangst von der Endlichkeit des Lebens zumindest zu lindern. In einigen Fällen stellt Sara Papst mit ihren Patienten auch die Abschiedsmusik für das Begräbnis zusammen: „Eine Frau hat sich kürzlich ,My Way‘ von Frank Sinatra gewünscht, wir haben das Lied auf eine CD gebrannt.“

Klänge können auch zum Wiedererinnern von identitätsstiftenden Erfahrungen beitragen. Sara Papst versteht dieMusik in ihrer Arbeit als Hilfestellung „bei der Bergung des Schatzes, der Lebenserfahrung heißt“. Die Musik wird also zu einemSchlüssel zum Ich.

Sara Papst bietet Einzel- wie Gruppentherapie an: Entweder singen oder spielen die Patienten selbst auf einem Instrument oder sie hören zu beziehungsweise spüren die Schwingungen, die von den Klanginstrumenten ausgehen, am eigenen Körper. Bei der Musik muss Papst mit der Zeit gehen: „Ich habe einen 65-jährigen Patienten, mit dem arbeite ich vielmit Beatles-Liedern.“ In ein paar Jahren werden in den Geriatrischen Gesundheitszentren vielleicht schon ABBA-Melodien, Songs von Michael Jackson, Prince oder Motörhead gespielt werden.

Die Geriatrischen Gesundheitszentren Graz sind seit Kurzem vom deutschen Verein Singende Krankenhäuser für Musiktherapie zertifiziert: eine offizielle Auszeichnung für die bislang geleistete Arbeit. Tagtäglich erfährt Sara Papst Belohnung, wenn verschlossene, in sich gekehrte Menschen über Augenkontakt, Körperhaltung, spontanes Mitsingen oder durch ein sanftes Mitwippen des Fußes signalisieren: „Ja, ich verstehe dich! Wir sind in Kontakt.“

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