a a a

01.02.2022
Im Gespräch mit Frau Prim. Dr. Brigitte Hermann

Frau Prim. Dr. Brigitte Hermann ist Fachärztin für Innere Medizin mit Spezialisierung in Palliativmedizin und Geriatrie, sowie Ärztin für Allgemeinmedizin. Sie absolvierte unter anderem Zusatzausbildungen in Notfallmedizin, Akupunktur und psychotherapeutischer Medizin. Seit 1. Juni 2007 arbeitete sie in den GGZ und geht mit 31. Jänner 2022 in Ruhestand.

 

Schwarz: Können Sie sich kurz mit fünf Eigenschaftswörtern beschreiben?

Hermann: Ja, da fallen mir spontan ein: ruhig, ordnungsliebend, strukturiert, hartnäckig und konsequent

Schwarz: Frau Prim. Dr. Hermann, warum haben Sie Medizin studiert?

Hermann: In meiner Familie gab es dahingehend keine Vorbilder, keine Familienangehörige waren Ärzt*innen. Mich hat jedoch in der Schule das Fach Biologie sehr interessiert, eine meiner Professor*innen hat mich da sehr positiv beeinflusst. Nach der Matura stellte ich mir allerdings die Frage, was mache ich denn mit einem Studienabschluss in Biologie? Lehramt interessierte mich nicht wirklich und auch die Forschung reizte mich nicht. Da bot sich das Medizinstudium an, weil es doch viel mit biologischen Vorgängen zu tun hat. Ich begann das Studium gleichzeitig mit vielen anderen Gleichgesinnten und wusste, wenn ich den Bereich „Anatomie“ überstehe, dann studiere ich weiter. Ich absolvierte die Prüfung mit Auszeichnung, was mich motiviert hat weiterzumachen.

Schwarz: Was hat Sie in Ihrem Studium geprägt und haben sich Ihre Vorstellungen erfüllt?

Hermann: Mein Wunsch war eigentlich Fachärztin für Kinderheilkunde zu werden. Leider habe ich keine Ausbildungsstelle bekommen. Im Gegensatz zu heute gab es damals zu viele Studierende und viel zu wenig Ausbildungsplätze. Ich habe sogar eine Zeitlang als sogenannte Gastärztin im Krankenhaus der Elisabethinen und an der Neurochirurgie ohne Honorar gearbeitet. Das war wichtig, damit ich überhaupt Erfahrungen sammeln konnte. Dann habe ich eine Turnusstelle in Rottenmann und im Landeskrankenhaus Graz bekommen.

Schwarz: Wie ging ihr persönlicher und beruflicher Weg weiter?

Hermann: Ich habe statt des Kinderfaches zwei eigene Kinder bekommen! Es war sehr herausfordernd Familie und Beruf zu vereinbaren. Zunächst habe ich in der Praxis meines Ehemannes mitgearbeitet und habe dann meine eigene Praxis für Allgemeinmedizin eröffnet. Nach der Trennung von meinem Mann habe ich wieder in der Klinik eine Halbtagsstelle zusätzlich zur Tätigkeit in meiner Ordination angenommen, um ein zweites wirtschaftliches Standbein zu haben. In der II. Med. Klinik begann ich im damals neuen Projekt „Aufbau einer Palliativeinrichtung“ mitzuarbeiten.

Schwarz: Wie ist es Ihnen gelungen, alle die vielen Aufgaben und Anforderungen an Sie zu erfüllen?

Hermann (lächelt): Das war nicht einfach und ich erkannte auch nach einiger Zeit, dass es nicht möglich ist, ohne selbst Schaden zu nehmen. Darum löste ich meine Praxis auf und ging ganz zurück in die Klinik. Bei und mit Prof. Dr. Samonigg, damals Leiter der Onkologie und der „universitären Palliativmedizinischen Einrichtung“ (UPE), habe ich die Palliativstation und das mobile Palliativteam in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz aufgebaut – insgesamt acht Jahre lang.

Schwarz: Und warum haben Sie sich dann für die GGZ entschieden?

Hermann: Ich war Mitglied der Ethikgruppe des Hospizvereines Steiermark. Da lernte ich Herrn Dr. Stoiser, damals ärztlicher Leiter in den GGZ kennen. Durch ihn wurde ich auf die GGZ aufmerksam und er freute sich über mein Interesse. 2007 startete ich als Oberärztin und war anfangs für sechs Langzeitstationen verantwortlich. 2009 wurde die drei Pimariate geschaffen und ich übernahm dann die Leitung der Abteilung Medizinische/palliative Geriatrie.

Schwarz: Liebe Frau Prim. Dr. Hermann, welche Stärken bzw. „Werkzeuge“ braucht man, um die vielen Aufgaben dieser Funktion zu erfüllen?

Hermann: Wichtig ist eine gute Zeiteinteilung und Tagesstruktur. Damit schaffe ich Freiräume für meine strategischen Aufgaben. Wichtig ist auch bei Problemen und in Krisensituationen Ruhe zu bewahren und diese Ruhe auch weiterzugeben; alle Beteiligten an einen Tisch zu holen, zu analysieren, Lösungen zu finden und dann gemeinsam umzusetzen. Dabei hilft mir auch meine Ausbildung in Psychotherapie.

Schwarz: Welche Aufgaben und Arbeitsweisen mögen Sie besonders?

Hermann: Ich begleite gerne innovative Projekte und das am liebsten mit einem interdisziplinären Team. Darum arbeite ich auch gerne am Qualitätsmanagement oder bei Zertifizierungen mit. Dafür dann noch ausgezeichnet zu werden, wie z. B. mit dem Internationalen Qualitätspreis „EFQM Global Award 2021“, ist dann schon etwas ganz Besonderes.

Schwarz: Was finden Sie besonders herausfordernd, wenn nicht sogar schwierig?

Hermann: Als Führungskraft muss ich auch immer wieder als „Feuerlöscher“ fungieren, was doch sehr herausfordernd sein kann. Wirklich schwierig und zunehmend schwieriger ist es, für den geriatrischen Langzeitbereich gute Mitarbeiter*innen zu finden und zu halten.

Schwarz: Sie haben es schon kurz angesprochen, Sie waren Mitglied der Ethikgruppe und Sie leiteten auch in den GGZ den Aufbau der Ethikarbeit. Warum braucht es diese Strukturen?

Hermann: Leider ruft das Wort „Ethik“ oft Verunsicherung, ja sogar manchmal Angst hervor. Ethik gehört aber dazu, wenn man mit kranken und sterbenden Menschen arbeitet. Ethik bedeutet ja mein eigenes Verhalten und meine eigene Haltung zu reflektieren. Es ist leider ein gesellschaftliches Phänomen, dass die Bereitschaft zu reflektieren, sinkt. Diese Reflexion braucht seine Zeit und diese Zeit tut auch gut, besonders wenn man in einem Bereich wie der Langzeitgeriatrie arbeitet.

Schwarz: Sie haben sich auch für die „Altersteilzeit“ entschieden und sind auch hier ein Vorbild. Welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend?

Hermann: Genauer gesagt habe ich drei Jahre über mein Regelpensionsalter hinaus länger gearbeitet, im letzten halben Jahr allerdings nur noch Teilzeit. Es fühlt sich richtig an, langsam zurückzustecken, auf meinen Körper zu hören und auf meine Gesundheit zu achten. Es ist besser nicht aus dem vollen Tempo heraus stehen zu bleiben, sondern langsam zurückzuschalten.

Schwarz: Welchen Menschen treffe ich außerhalb der GGZ?

Hermann: Meine Familie, mein Mann, meine Enkel, meine Nichte erfüllen mein Leben. Ich fahre gerne Rad, gehe Wandern, Schifahren und Langlaufen. Ich bin gerne in der Natur und ich bin ihr sehr verbunden. Ich habe nun ein Haus mit Garten und eigenem Gewächshaus. Es macht mir große Freude, zu sehen, was wächst oder was auch nicht wächst. Ich liebe es zu experimentieren und das Zusammenspiel von Pflanzen – Tieren – Menschen zu beobachten.

Schwarz: Zum Abschluss unseres Gespräches – was ist Ihnen noch Anliegen zu sagen?

Hermann: Ich habe die Zeit in den GGZ sehr genossen – sie war zeitweise fordernd, aber auch fördernd und vor allem erfüllend. Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut, ob ich den Weg der GGZ auch nach meiner Pensionierung weiter mit meinen Fähigkeiten unterstützen will. Dadurch sehe ich meine Arbeit in den GGZ sehr gewürdigt.

 

Autorin:
Irene Schwarz
Stabsstelle Human Resources

Erntedank
08.10.2020
Graz-Ahoi!
25.02.2020
Der gesunde Rücken
12.09.2019
Es lebe der Sport!
05.02.2019
Depression im Alter
16.10.2018
Mini Pflege im MTZ
19.09.2018
Fastenzeit
15.02.2018