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24.01.2022
I am proud to be a nurse

Irene Schwarz im Gespräch mit Waltraud Haas-Wippel, MA

 

Steckbrief(auszugsweise):

  • Diplom für den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege (1979)
  • Akademische Pflegemanagerin (Pflegedienstleiterin der GGZ seit 1996)
  • Akademische Gerontologin
  • Master of Arts (Gerontologie)

                                

Weiters ist Frau Waltraud Haas-Wippel Sprecherin der ARGE der Pflegedirektor*innen Steiermark für den Langzeitpflegebereich, sie ist Lektorin, Referentin und sie ist Paul-Petry-Preis-Trägerin (KFU). Sie ist allgemein beeidetet und gerichtlich zertifizierte Sachverständige sowie Autorin von zahlreichen Fachartikeln und Publikationen.

Schwarz: Liebe Waltraud, Du hast im November 2020 bereits mit Deinem Vortrag „I’am proud to be a nurse“ beim online-Pflegekongress mit einer sehr persönlichen Zeitreise Einblicke in Deine Arbeit gegeben. Warum hast Du dich überhaupt für einen Beruf in der Pflege entschieden?

Haas-Wippel: Als Kind musste ich einmal ins Krankenhaus und damals gab es Besuche nur einmal in der Woche für eine Stunde. Ich fühlte mich sehr allein und hatte natürlich auch Angst. Eine Pflegerin hat sich jedoch meiner angenommen – da habe ich erkannt, wie essentiell Zuwendung und Berührung sind. Dieses Erlebnis war sicher ein Motivator in die Pflege zu gehen, aber auch die Vielzahl an Möglichkeiten, die der Beruf bietet.

Schwarz: Wenn Du Dich mit fünf Eigenschaftswörtern beschreiben müsstest, welche würdest Du auswählen:

Haas-Wippel (lacht): Oh, das ist gar nicht so einfach. Auf jeden Fall leidenschaftlich, interessiert, mutig, diszipliniert und kreativ!

Schwarz: Das passt genau zu Deiner Aussage, dass Pflege kein Beruf für Zauderer ist. War es für Dich klar, dass Du die notwendigen Stärken hast, um diesen Beruf auszuüben?

Haas-Wippel: Mir war es anfangs nicht wirklich bewusst. In meiner Ausbildung wurde ich aber mit Situationen konfrontiert, die ich nicht so ohne weiters hingenommen habe. Da habe ich bemerkt, dass ich jemand bin, der aufzeigen und überzeugen kann – im Sinne der Lösungsorientierung. Offene Kommunikation, Engagement und „etwas bewegen wollen“ - das sind meine „Lebensrezepte“.

Schwarz: Wie wichtig ist in der Pflege die Beziehung und die Berührung?

Haas-Wippel: Mit und für Menschen zu arbeiten – das ist Pflege. Und Pflege ist Beziehungsarbeit, ein Beziehungsprozess! Pflege muss berühren – und das im doppelten Sinne des Wortes!

Schwarz: Gerade auch unter dem Aspekt, dass man doch ständig den intimen Abstand unterschreitet?

Haas-Wippel: Diese Balance zu finden, zwischen Nähe und Distanz – das ist professionelles Handeln. Das ist auch das Spannende und Interessante und vor allem das Schöne im Pflegeberuf – nach dem Motto „Was ich pflege – pflegt mich. Wem ich helfe, der hilft mir!“

Schwarz: Wichtig ist Dir auch ein gutes Netzwerk. Du sagst: „Wir müssen uns zusammenschließen und mit einer Sprache sprechen. Das kräftigt und stärkt die Pflege und alle Pflegefachkräfte“. Eine Netzwerkpartnerin war für Dich Frau Prof. Dr. Erika Horn. Warum wurde gerade sie für Dich zum Vorbild?

Haas-Wippel: Ich kannte Frau Prof. Dr. Horn fast vierzig Jahre. Obwohl sie nie direkt in dem Beruf Pflege gearbeitet hat, hat sie erkannt, welchen Wert die Pflege hat und wie wichtig diese Berufsgruppe für die Gesundheitsversorgung ist. Durch ihre eigene persönliche Geschichte war sie für die schwierige Situation älterer Menschen sensibilisiert. Sie hat vor 40 Jahren schon erkannt bzw. gefördert, dass die Pflege sich laufend fortbildet und Supervision erhält. Ganz intensiv waren unsere Begegnungen während meines Studiums zur Gerontologin. Es beeindruckt mich noch heute, wie lebendig und authentisch sie das Bild von alten Menschen gezeichnet hat. Sie ist zurecht Bürgerin der Stadt Graz.

Schwarz: Liebe Waltraud, du warst auch viele Jahre politisch als Gemeinderätin für Graz tätig. Inwieweit ist Politik ein Thema in der Pflege?

Haas-Wippel: Es war und ist mir ganz wichtig, mich berufspolitisch zu engagieren. Pflegefachkräfte sollten sich generell mehr für ihre Berufspolitik einsetzen. Die Pflege kann und muss sich selbst vertreten und sich eine Stimme – oder besser viele Stimmen – geben. Es kann nicht sein, dass andere Berufsgruppen über Pflegethemen sprechen oder über das Berufsbild der Pflege diskutieren wollen – wie auch die Pflege nicht über einen anderen Beruf fundierte Aussagen treffen kann.

Schwarz: Wie engagiert man sich „berufspolitisch“?

Haas-Wippel: Wir haben, z. B. im Mai 2021, eine Pressekonferenz zum „Tag der Pflege“ organisiert. Kernaussage war damals: „Unser Pflegesystem droht mit 100 km/h an die Wand zu fahren!“. Wir machten damit unter anderem auf den Mangel an qualifizierten Pflegepersonen und die zu gering zur Verfügung stehenden Studienplätze aufmerksam: „Die Steiermark ist österreichweit Schlusslicht bei den FH-Studienplätzen für Diplomkrankenpfleger*innen – obwohl es genügend Bewerber*innen gibt! Kleines Beispiel: Für das FH-Studium der Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflege gab es 2020 über 400 Bewerbungen - denen standen aber lediglich 144 Plätze gegenüber. Engagierte Bewerber*innen werden abgewiesen, obwohl man dringend qualifizierte Fachkräfte in der Pflege benötigt!“ Deshalb bin ich jetzt auch ehrenamtlich Vizepräsidentin im ÖGKV-Landesverband Steiermark.

Schwarz: Im Gespräch mit Anke Stalzer im Pflegenetz Channel weist Du auf die Wichtigkeit der Pflegewissenschaft hin. Zitat: „Wenn wir mehr Professionalität und die entsprechenden Kompetenzen haben, dann wird die Pflege den Stellenwert bekommen, der der Pflege wirklich gebührt. Warum bist Du davon so überzeugt?

Haas-Wippel: Die Pflege ist eine Profession – eine Profession, die sowohl „Herz, Hand und Hirn“ erfordert. Viele internationale Studien zeigen, dass die Pflegequalität mit der entsprechenden Kompetenz der Pflegenden korreliert. Das heißt, dass die Pflegewissenschaft und –forschung immer in Verbindung mit der Praxis gesehen werden muss, denn nur so kann die professionelle Pflege wirksam werden.

Schwarz: Du hast mit und für die GGZ viele Auszeichnungen erhalten - welche davon sind für Dich am wichtigsten?

Haas-Wippel (lacht): Das zu bewerten, fällt mir schwer. Für mich hat meine erste Auszeichnung im Jahre 2002 – der Paus-Petry-Preis, der mir auf der KFU verliehen wurde – sicher einen besonderen Stellenwert. Und auch die Einladung zur Keynote-Speakerin bei der Eröffnungsveranstaltung der Taskforce Pflege Österreich im Oktober 2020 in Wien, in der Hofburg, war für mich ein Ritterschlag. Natürlich auch unsere GGZ-Erfolge bei KTQ und EFQM-Zertifizierungen in all den Jahren. Wichtiger aber als die Auszeichnungen an sich ist es, was die Grundlagen und die Basis dieser Auszeichnungen sind. Und hier sind die Qualitäts- und Projektarbeiten unsere Erfolgsgaranten, die bei unseren Patienten*innen und unseren Bewohner*innen, aber auch bei unseren Mitarbeiter*innen ankommen. Ob das die Fachleitfäden für die Pflege sind, die Implementierung der Pflegeexpert*innen und Advanced Practice Nurse in den Spezialbereichen der Pflege oder die Erfolge bei der Mitarbeiterführung – alles trägt zu einer Verbesserung in der Pflegeversorgung bei - und das ist das Wesentliche.

Schwarz: Ich spüre bei Dir immer so viel Energie – nimmst Du diese mit in Deinen neuen Lebensabschnitt?

Haas-Wippel: Auf jeden Fall! Ich werde weiterhin berufspolitisch tätig sein, als Vizepräsidentin im ÖGKV Steiermark. Und auch als Referentin, als Redaktionsmitglied des österreichweiten Pflegemagazin „Pflegenetz“ und als Gutachterin darf ich meine Expertise weiter einbringen.Und als Gerontologin weiß ich, dass man sich schon vor der Pension und dann in der Pension mit neuen Themen auseinandersetzen soll. Darum habe ich eine Ausbildung zur Astrologin gemacht und bin nun zertifizierte Astrologin.

Schwarz: Herzliche Gratulation!

Schwarz: Was ist für Dich noch besonders wichtig in Deinem Leben?

Haas-Wippel: Ganz klar, meine Familie – mein Mann, meine Tochter mit Familie – vor allem meine zwei fantastischen Enkeltöchter. Und dann gibt es da noch unseren Hund Merlin, einen Labradoodle. Und unser Garten ist für mich eine Kraftquelle, ebenso wie die Zeit, die ich in der Natur mit langen Spaziergängen verbringen kann. Ich lese gerne (und darauf freue ich mich besonders, da ich dann mehr Zeit haben werde) und ich höre gerne Musik, gehe gerne in die Oper und in Konzerte. Und ein gutes Essen mit anregenden Diskussionen in der Freundesrunde – auch das ist mir sehr wichtig!

Schwarz: Liebe Waltraud, wenn Du Kolleg*innen aus der Pflege oder Mitmenschen allgemein mit fünf Wörtern eine Botschaft senden müsstest, welche würdest du wählen?

Haas-Wippel: Da brauche ich nicht lange nachzudenken: Lebe – Liebe – Lache - Lerne - Laufe!

Schwarz: Herzlichen Dank für die Einblicke in Dein Leben. Wir wünschen Dir von Herzen alles Gute für Deinen neuen Lebensabschnitt!

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