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30.08.2021
Die Zentrale Praxisanleitung (ZPAL) als Bindeglied zwischen Pflegepraxis -management und –wissenschaft

Aufgrund der fortschreitenden klinischen Aufgabenerweiterung und Spezialisierung und der Ausbildungsreform im Pflegebereich benötigen BerufseinsteigerInnen und Auszubildende eine qualitativ hochwertige Einarbeitung und Praxisbegleitung. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und Auszubildenden spiegelt das Gesamtbild einer Einrichtung wieder. Deshalb ist es wichtig, ein sicheres und selbstständiges Handeln jedes Einzelnen bieten zu können. Strukturierte Einarbeitungsprogramme können als Maßnahmen zur Steigerung der Mitarbeitermotivation sowie zur Stärkung der Mitarbeiterzufriedenheit eingesetzt werden und sind von enormer Wichtigkeit zur Mitarbeiterbindung [1].

Ziel ist es, durch eine zentrale Stelle, eine strukturierte Wissensvermittlung rund um das Thema Auszubildende, neue Mitarbeitende sowie Pflegende und deren An- und Zugehörige zu bündeln. Daher wurde in den Geriatrischen Gesundheitszentren (GGZ) der Stadt Graz im Jahr 2019 eine neue Stelle, die Zentrale Praxisanleitung (ZPAL) implementiert. Eine dafür freigestellte Mitarbeiterin der Pflege ist hierbei in drei verschiedenen Settings tätig, um das theoretische Wissen in die vertiefte und spezialisierte Pflegepraxis in komplexen Pflege Lernsituationen zu transferieren. Zu diesen Settings zählen die geriatrischen PatientInnen und deren An- und Zugehörige, Auszubildende in der Pflege sowie MitarbeiterInnen und BerufseinsteigerInnen der Pflege. Im Rahmen von Simulationstrainings im Albert-Schweitzer-Trainingszentrum und „Learning by doing Sessions“ werden Lehrvorträge und Fortbildungen für geriatrische PatientInnen und deren An- und Zugehörige abgehalten. Zusätzlich dient die ZPAL als Ansprechperson für alle PraxisanleiterInnen und MentorInnen der GGZ und schult diese in die Themenbereiche Didaktische Prinzipien, Anleitungssituationen sowie Feedbackgespräche. Weiteres agiert sie als Ansprechperson für Ausbildungsstätten, leitet das Fachteam Praxisanleitung, führt Einzel-/Gruppenanleitungen im Albert-Schweitzer-Trainingszentrum für Auszubildende durch und koordiniert das Fortbildungsmanagement für MentorInnen/PraxisanleiterInnen. Im Setting MitarbeiterInnen und BerufseinsteigerInnen in der Pflege arbeitet die ZPAL mit dem neuen Einschulungsinstrument des Mikroschulungssystems.

Zukunftsorientierte MitarbeiterInnen-Einführung mittels Mikroschulungen für BerufseinsteigerInnen der Pflege

Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, müssen MitarbeiterInnen individuell gefördert und eine vertrauensvolle Basis zwischen MitarbeiterInnen und der Institution geschaffen werden [2]. Hohe Ausscheidensquoten von MitarbeiterInnen verursachen negative Folgen für die Versorgungsqualität, steigende organisatorische Kosten und resultieren in höherer Arbeitsbelastung für die übrigen Pflegefachpersonen, dieser Teufelskreis lässt sich in vielen Gesundheitseinrichtungen der Welt ablesen [3]. Die Einarbeitungsphase stellt eine sehr vulnerable Zeit dar und zählt zu einen der wichtigsten Faktoren der Personalbindung [4]. Eine lückenhafte fehlende Einschulung kann schnell zu Überforderungen, Unzufriedenheit und frühzeitigen Berufsausstieg führen. In den GGZ erfahren neue MitarbeiterInnen durch die MitarbeiterInnen-Einführungsmodule und durch MentorInnen auf den Stationen auf Basis eines Lernphasenkatalogs einen systematisch begleiteten Onboarding-Prozess. Ergänzend dazu werden seit Februar 2019 in der Albert Schweitzer Klink der GGZ alle neuen Mitarbeitenden im Pflegebereich anhand von Mikroschulungen in die direkte Pflegepraxis eingearbeitet. Mikroschulungen sind kleine Lerneinheiten die direkt im Pflegealltag auf der jeweiligen Station des/der MitarbeiterIn abgehalten werden. Das Konzept der ursprünglichen Anwendung von Mikroschulung stammt aus der PatientInnen- und Familienedukation. Frau Dr. Abt-Zegelin setzte dieses Konzept erstmals in die Praxis um [5]. Je nach Modul wird individuell auf den Bedarf der neuen KollegInnen eingegangen. Insgesamt sind acht Module zu absolvieren, deren Prozessschritte klar definiert sind und unter anderem die Zielsetzung, Organisation und Evaluierung jeder Mikroschulung beinhalten. Für die jeweilige Mikroschulung existiert ein schriftliches Konzept, um ein planvolles Vorgehen und eine Grundlage zu schaffen, an der sich alle schulenden Personen orientieren können. Dennoch können Ziele, Inhalte und das Vorgehen individuell an die Erfahrungen und Fähigkeiten angepasst werden. Der allgemeine Einschulungsprozess durch die MentorInnen auf den jeweiligen Stationen wird dadurch mit der Expertise der ZPAL ergänzt und intensiviert. Hier findet auch eine enge Zusammenarbeit mit unseren PflegeexpertInnen/ PflegewissenschafterInnen statt, dadurch können die Mikroschulungen jederzeit um diese Expertise ergänzt werden.

Nach jeder Lerneinheit werden die Schulungen evaluiert und Feedbackgespräche geführt, um die Selbstreflexion anzustoßen und das Verhalten zu reflektieren. Die kontinuierliche Evaluierung des Mikroschulungssystems erfolgt anhand eines halbstandardisierten Fragebogens, welcher nach Abschluss der Module an die Mitarbeitenden per E-Mail ausgesendet wird.

 

Im Jahr 2020 wurden insgesamt 160 Mikroschulungen durchgeführt. Die Rücklaufquote betrug 81 %, davon gaben 51 % an „vollkommen zufrieden“ zu sein und 49 % waren „sehr zufrieden“. Der Einschulungsprozess für neue MitarbeiterInnen im Pflegebereich erlangt mit diesem System eine Aufwertung und zeigt wie wichtig eine professionelle und strukturierte Einarbeitung ist.

Wie uns die Erfahrungen gezeigt haben, ist die ZPAL ein unabdingbarer Ankerpunkt und stellt somit die zentrale Verbindung zwischen Pflegepraxis -management und –wissenschaft dar. Um unsere neuen MitarbeiterInnen auch in Zukunft bestmöglich einzuschulen, wird aktuell daran gearbeitet, Teile der Mikroschulungsmodule als Vor- und Nachbereitungseinheiten mittels E-Learning zu erweitern.

Innovation und Veränderungswünsche haben erst dann Wirkung, wenn überholte Paradigmen verlassen und Raum für Neues geschaffen wird. Die besten Theorien und Konzepte nutzen dem Unternehmen nichts, wenn die Persönlichkeiten fehlen, die für die Umsetzung als Voraussetzung gelten. Damit der Weg gegangen werden kann und die gesetzten Ziele erreicht werden, braucht es Mut, neue Wege zu gehen und auch einen Blick über den Tellerrand.  Es braucht dazu selbstbewusste, engagierte und mutige Pflegende, die sich als Teil eines Innovationssystems verstehen und die notwendigen Veränderungen engagiert vorantreiben und mitgestalten. Wichtig ist, dass das Pflegemanagement die dafür notwendigen Rahmenbedingungen sichert und eine transparente, beziehungsorientierte und durch Vertrauen geprägte Führung vorlebt und den Prozess der kontinuierlichen Entwicklung begleitet, motiviert und unterstützt.

 

Autorinnen:

Waltraud Haas-Wippel, MA
Pflegedienstleiterin GGZ
E-Mail

Lydia Hasenbichler, MSc MA
Pflegedienstleitung
E-Mail

DGKP Annalena Unterwaditzer, BScN
Zentrale Praxisanleitung
E-Mail

 

Dieser Beitrag unserer Kolleginnen ist auch in der August 2021 Ausgabe der Zeitschrift "Qualitas" erschienen!

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